Reisebericht Kanada Schwarzbärjagd
Frühjahrsbärenjagd in British Columbia Mai 2010
 

Begleitete Reise auf Schwarzbärenjagd in den Chillcoltin Mountains
Ergebnis: 2 Schwarzbären (1. Tag und 4. Tag)


Ein Wunschtraum sollte in Erfüllung gehen. Vor nunmehr 15 Jahren war ich das erste Mal in Kanada. Besser gesagt in Britisch Columbia. Als Kind schon wollte ich dort hin und die unglaublich schöne Landschaft erleben. Jagdlich waren wir damals nicht unterwegs. Das heißt, wir wollten schon gerne jagen, hatten aber damals nicht die richtige Zeit erwischt.
Nun aber war es so weit. Wir hatten einen optimalen Zeitraum gewählt. Mitte Mai kommen die Schwarzbären aus ihren Winterruheverstecken heraus und fangen an, die zart sprießende Vegetation an den Ufern der Seen zu äsen.

Dieser Termin war mir jedoch zu früh und die Jagd an den Gewässern nicht spektakulär genug. Zuerst kommen auch meist die jüngeren Bären aus der Winterruhe.
Somit war die Reise auf den 21. Mai gelegt worden. Dann sind die Bären noch unterwegs und ziehen den jungen Grastrieben hinterher. Das bedeutet sie orientieren sich in die höheren Lagen der umgebenden Berge.
 Doch nun von Beginn an. Wir waren sehr zeitig am Flughafen in Frankfurt. Wie sich herausstellte war diese auch gut so, denn die Flüge waren überbucht. Und dies trotz frühzeitiger Reservierung der Flüge. Mein Jagdfreund Hans-Willi hatte trotzdem keinen Platz in der Maschine. In den letzten 20 Minuten vor Abflug war dann sicher, dass wir beide fliegen konnten. Wir hatten extra eine Lufthansamaschine gebucht und natürlich einen Direktflug. Wie sich später herausstellte war dies auch besser, so denn bei zwei anderen Jägern ist ein Zubringerflug von Düsseldorf ausgefallen und der Kanada Flug wurde verpasst. Nur durch eine sofortige Intervention bezahlte die Lufthansa, aus Kulanz, ein Hotel in Frankfurt. Zum Glück war die Reise mit einem Tag Puffer vor der Jagd und nach der Jagd geplant worden. Somit kann im Notfall auch noch ein Jagdtag hinzugefügt werden. 
Was uns jedoch ärgerte war eine neue Regelung: Das zweite Gepäckstück kostete zusätzlich Geld, wie auch die Waffen. 
Der Flug war ruhig und es wurde nicht dunkel, da wir mit der Sonne flogen. Spektakulär war der Flug über Grönland. Unglaublich grosse Gletscher und riesige Trogtäler durchzogen die größte Insel der Welt. Einfach unvergesslich!
 In Vancouver gelandet, ging alles reibungslos. Die Beamten auf diesem sehr gemütlichen Flugplatz, sind außerordentlich nett und hilfsbereit. Man kommt sich im Flughafen vor wie in einem großen Wohnzimmer, richtig entspannend. Gut, der Wasserfall ist nicht in jeder guten Stube so groß wie in dieser Empfangshalle- aber immerhin.
 Die Einfuhrpapiere waren perfekt vorbereitet und alles ging reibungslos. Da wir gerüttelt müde waren, fielen wir auch bald in die Betten unseres großzügigen Doppelzimmers. Das Hotel war jedoch nicht im Reisepreise inkludiert und wurde von uns mit einer Kreditkarte bezahlt. Am nächsten Morgen machten wir uns auf und zogen durch die wunderschöne Metropole Vancouver. Für die Waffeneinfuhr hatten wir von dem Jagdreisevermittler ein dreifach ausgefertigtes Formular erhalten, dass wir erst vor Ort unterzeichnen sollten. Kurz, wir waren ruck-zuck aus dem Flughafen raus und nahmen ein Taxi zum Hotel, in dem für uns ein Doppelzimmer reserviert worden war. Es war gar nicht so einfach ein kühles Blondes aufzutreiben, aber letztendlich saßen wir gemütlich in einem Café und genossen ein Bier. Ach ja, natürlich nicht vor 11 Uhr. Bis dahin ist es nämlich verboten Alkohol in der Öffentlichkeit zu trinken.

Am darauffolgenden Morgen wurden wir um 7 Uhr früh von Frank, einem Schwaben der schon seit 45 Jahren in Kanada lebt, abgeholt. In einem komfortablen Kleinbus fuhren wir gen Norden. Noch schnell ein paar Flaschen Gerstensaft zum Anstoßen eingekauft und los ging es. Zum Bier: Es ist gut aber teuer. 18 Can$ pro Sixpack! Nach ca. 4 Stunden Fahrt kamen wir auf der Lodge an. Eine rustikale, gemütliche Unterkunft mit geräumigen Zimmern. Alles sehr unkompliziert und familiär. Jeder konnte, wann er wollte, an den Kühlschrank. Die Verpflegung war immer ausgezeichnet. Mit uns kamen zwei Dänen und ein sehr netter Amerikaner an. 
Im einladenden Aufenthaltsraum ging es dann auch direkt um Jagdgeschichten und es wurde viel gelacht. Wir gingen nach dem Einschiessen, abends recht früh zu Bett. Das Kontrollschiessen wurde sehr professionell auf einer 100 m Bahn gemacht. Einer der Dänen schoss mit seinem Scharfschützengewehr im Kaliber 300. Win. auf ein Kreissägeblatt, welches in 500 m Entfernung hoch oben in den Felsen hing und traf beim ersten Schuss. Respekt! Ich bat auch um eine Chance und schoss etwa 10 cm zu hoch. Nun ja, fast getroffen ist auch vorbei. Aber immerhin!


Der erste Jagdtag: Um 6 Uhr bestiegen wir einen kleinen Suzuki und los ging es. Die kleineren Autos haben sich bewehrt, da sie auf den Waldwegen wendiger sind. Wir fuhren etwa 50 km an einem Stausee vorbei, immer den Blick auf die Ufer gerichtet, da oftmals Schwarzbären dort äsen. 
Immer höher schraubten wir uns dann auf den gut ausgebauten Waldwegen in die Höhe. Gegenüber die majestätischen schneebedeckten Berge. Nahezu alle 100 m fanden wir frische Schwarzbärenlosung. Frisch bedeutet noch weich und grünlich. Wenn die Losung schwarz und fest ist, ist sie schon älter. Ein Bär musste direkt vor uns sein, denn die Haufen dampften noch. Aber den Gefallen sich zu zeigen, tat er uns nicht und wir fuhren unverrichteter Dinge, aber überwältigt von der uns umgebenden, ursprünglichen Natur zurück. Pünktlich um 10 Uhr gab es nämlich Frühstück. Rührei mit Schinken und so mansche Überraschung. Ein unverzichtbares Ritual entwickelte sich aus dem 10 Uhr Termin und wir freuten uns immer riesig darauf. Jedoch ging es schon um 11 Uhr wieder raus. Wir fuhren in die gleiche Gegend, sahen auch zwei Schwarzbären, die jedoch zu jung waren. Um 15 Uhr gab es Mittagessen. Wahlweise Rinder- oder Schwarzbäreneintopf. Den musste ich natürlich probieren. Im direkten Vergleich gibt es jedoch kaum Unterschiede.
 Die Nachmittagspirsch hatte begonnen und verlief auch ganz erfolgreich. Ein junger Bär zeigte sich neugierig am Rande eines Kahlschlags. Immerhin etwas, aber so richtig begeistert waren wir noch nicht. Nun, es war der erste Tag und die Pirsch war noch nicht zu Ende. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Und so kam es, dass wir an einem Holzlagerplatz anhielten von dem aus wir in das weite, unter uns liegende Tal, blicken konnten. Wir späten, aber Guido unser junger, deutscher Jagdführer, sah und fand was wir suchten. Einen Schwarzbären, der uns gleich kapital deuchte. Nur war der Bär locker 2 km weit weg. Wir also ins Auto und los. Wie kommen wir nun an die Stelle die man von oben so gut einsehen konnte? Von oben auf der anderen Hangseite? Versuch macht kluch. So, das ging schon mal nicht.

Zu weit und zu viele Bäume zwischen dem Bären und uns. Also von unten. Zu weit und zu laut! Also direkt von der gleichen Seite über die Waldstrasse in den Busch- und drauf zu. Der Wind stand aber hier nicht optimal und wir walzten durch die jungen Aspen wie ein defekter ICE. Als wir dann die kleine Waldwiese erreichten auf der der Bär erspäht worden war, war dieser natürlich nicht mehr da. Ich hatte die Videokamera im Abschlag und entspannte mich gerade wieder, als Guido auf eine Gruppe Hemlocktannen zeigte. Da äste er in alles Seelenruhe, der Bär. Hans-Willi ist ein ausgesprochen sicherer Schütze und fackelt nie lange. Er schaute noch mal kurz zu Guido, der nickte und raus war der Schuss. Der Bär kippte dort um, wo er gestanden hatte und rührt sich nicht mehr. Die Anschaffung der Blaser R 93 im Kaliber 9,3 x 64 hatte sich wohl gelohnt. Das "Evolution" Geschoss hatte ganze Arbeit geleistet. Aber treffen musste man natürlich. Ausreichend sind Kaliber ab 7 x 64 aber mehr Dampf ist besser.

Erlebte Jagd Kanada 2

Zurück zum Bär. Erst mal setzten wir uns ins Gras und ließen etwas Zeit verstreichen. Jeder hing seinen Gedanken nach und ließ das eben Erlebte noch einmal Revue passieren. Dann hielt uns aber nichts mehr am Platz und es ging zum Bären, dem ersten Stück Großraubwild in Hans-Willis beachtlicher jagdlicher Karriere. Der sehr alte Schwarzbär hatte einen exzellenten Schuss! Die Freude war groß und nach einigem Schulterklopfen wurde uns bewusst, dass wir am ersten Jagdtag gleich einen guten Bären erlegt hatten. Aber wenn man so nachdenkt, kommt einem natürlich auch in den Sinn, wie man seine Beute ein paar hundert Meter, den nicht all zu steilen Berg hinauf bekommt und dann in einen doch recht kleinen Suzuki reinpacken soll!


Wir wählten den weiteren, aber nicht so steilen Weg, legten den Bären in einen Haufen Großer-Kletten und fluchten nicht schlecht als wir das bemerkten. Das sollte noch Arbeit machen, der ganze Pelz war mit Kletten übersäht. Dann fanden wir im Wagen eine kleine Plane und setzten den Petz kurzerhand auf den Rücksitz, auf dem ich dann auch noch Platz nahm. Und los ging es Richtung Heimat. Es wurde viel gelacht und die Stimmung war ausgelassen. In der Unterkunft angekommen, gab es ein großes "Hallo" und die mitgebrachten Biere wurden zur Anwendung gebracht.
 Wir hatten nun 15 Stunden Jagd hinter uns und fielen todmüde in die Kojen. Am nächsten Morgen hieß es um 5 Uhr wieder aufstehen. An den nächsten drei Tagen sahen wir viele Bären, aber die waren entweder zu jung oder zu schnell verschwunden. Es ist faszinierend wie ein so großes Raubtier so fix spurlos verschwinden kann. Nach vielen Stunden Pirsch mit dem Wagen und zu Fuß, kam am vierten Tag der Punkt an dem wir dachten, dass wir keine zweite Chance auf einen Bären mehr erhalten würden. Dennoch war die Stimmung überwältigend gut. So gut, dass Hans Willi wieder ganz tief in die Witzkiste griff, so dass mir vor lachen die Tränen kamen. Duch den Tränenschleier etwas verschwommen, sah ich im gleichen Augenblick einen sehr starken Schwarzbären direkt auf dem Waldweg. Guido sagte uns immer: "Wenn Ihr einen Kapitalen seht, gibt es keine Zweifel, dass es ein Kapitaler Bursche ist.

So war es auch. Das war der stärkste Bär, den wir bisher gesehen hatten. Das Okay war gegeben und Hans Willy pirschte sich in guter Deckung der Büsche an. Der Wind stand gut für uns und der Bär konnte uns auf diese Entfernung nicht richtig wahrnehmen, da Bären schlecht äugen. Willi ging in Anschlag und schoss auf den etwas spitz stehenden Bären. Ich sah durch das Glas noch die Pranken in der Luft schlägeln und dann war der Bär verschwunden. - Ganz verschwunden!

Der Schuss war gut, aber der Petz hatte sich mit letzter Kraft noch über die Hangkante gewuchtet und war etwa 80 Meter den sehr steilen Abhang bis zum Bach heruntergestürzt. Na, das konnte ja lustig werden. Wie birgt man einen über 150 kg schweren Schwarzbären in solch schwierigem Gelände? Nun gut- kommt Zeit kommt Plan. Und wenn der Plan nicht funktioniert, dann macht man einen Neuen. Das hatte ich in Afrika gelernt.
 
Wir waren aber nicht in Afrika, mit Menpower und vielen ehemals benachteiligten, mehrpigmentierten Helfern, sondern mitten im kanadischen Busch. Also erst einmal runter und den Bären aufbrechen. Ein paar Fotos und ein wenig filmen, dann wieder hoch. Schwer und rutschig genug! Oben angekommen, merkte ich mal wieder, dass man auch im letzten Winkel der Erde nie ganz alleine ist. Zwei kanadische Bogenjäger, mit voll ausgerüstete Quads und hightech Bögen standen, wie aus dem Nichts vor uns. Mit starken Seilwinden, aber leider nicht mit einem 80 m Seil. Also wurde der Bär richtig versorgt und etwas beduftet, denn wir hatten ein Gizzly Familie in der Nähe gesehen, die im Frühjahr einen schwarzen Vetter nicht verschmähen würde. Wir wollten uns auf keinen Fall mit der gigantischen Grizzlybär Mama rumbalgen müssen. Also ging es erst mal heim. Ein zweiter Wagen wurde mit ausreichend langen Seilen und einem Stahlring beladen. Der wurde an einem der Wagen befestigt und als Umlenkrolle genutzt. Das Seil wurde an die Vorderpranken gebunden. Guido und ich hielten uns an den Hinterpranken fest und wurden mit dem Bären hoch gezogen. Der Bär erreichte, sozusagen frei schwebend, den Waldweg und wir wurden sehr komfortabel gleich mit hochgezogen. Super einfach und genial.
 Wir fielen uns alle um den Hals als wir den Bären provisorisch vermessen und ausgiebig fotografiert hatten. Ein sehr alter 7 Fuß Bär, dem man ansah, dass er ein bewegtes Leben gehabt hatte. Was will man mehr? Ein toller Jagdtag! Nun machten wir uns jedoch Gedanken wie und wo man Getränke kaufen konnte. Denn das musste ja begossen werden. Aber auch hierfür hatte Guido eine Lösung: "Da gibt es einen Pup, nur 45 km entfernt, der eine Alkohollizenz hat!" "Nun gut, wenn es nur 45 km weit ist- dann mal los!" dachte ich. Es wurde gebührend tot getrunken und sehr viel gelacht. Dabei übersetzte ich alle Witze ins Englische die Hans Willi kannte und brachte dadurch sicherlich eine wenig neues Blut in die Witzkultur des amerikanischen Kontinents.
 Alles in Allem eine grandiose Jagd, auf der wir fast alle dort vorkommenden Wildarten gesehen hatten. Darunter vor allem hunderte von Maultierhirschen, Elche, Schneeziegen, gigantisch große Grizzlys, Adler, Schneehühner, Schneeschuhhasen, Waldhühner und eine Schlange im Schnee -ja tatsächlich!
Unsere Mitjäger erlegten ebenfalls gute Schwarzbären und Garry, der nette Amerikaner, konnte sogar einen noch stärkeren Bären strecken.
 Anzumerken ist, dass man diese Jagd nicht 2 zu 1 buchen sollte, da dann die Chancen pro Jäger jeweils zwei Bären zu erlegen, naturgemäß geringer werden. Und ganz wichtig: Man sollte immer zwei Schwarzbär-Tags lösen, denn dann kann man beruhigt auf einen zweiten guten Bären jagen oder einen der zahlreichen braunen Schwarzbären erlegen. Diese Farbvariante wird Zimtbär genannt und ist etwas seltener (70:30) als der schwarze Farbschlag.

Auch die Abwicklung der Formalitäten war professionell und ging reibungslos von statten. Auf der Rückreise nach Vancouver sahen wir insgesamt noch 6 Schwarzbären, die schon in Paarungslaune wahren und zu zweit umher zogen. Denn nun begann die Bärzeit. Auch ein guter Termin, der die alten starken Bären herauslockt. Eine Woche später sollten zwei holländische Jäger noch jeweils zwei 7 Fuß Bären erlegen. Die Jäger waren alle hoch zufrieden und auch ich werde sicherlich so bald als möglich nach BC zurückkehren, um auf die schwarzen Petze zu jagen. Ein herrliches Abenteuer, mit sehr guten Erfolgschancen, in einer grandiosen Landschaft.
Wir haben in unserer Jagdzeit, an insgesamt 7 Tagen, von morgens bis abends gejagt. Das waren durchschnittlich, sage und schreibe, 15 Stunden Jagd pro Tag. Es wurden von uns ca. 45 unterschiedliche Bären beobachtet und mit 4 Jägern 8 reife, kapitale Bären erlegt. So sollte es sein. Eine unvergessliche Jagd auf Schwarzbären in Kanada.

Hans-Willi und Alexander Winter

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