Reisebericht Oktober 2013

Alex Hirsch in letzter Sekunde

 

So, nun sollte ich einen Hirschen erpirschen.....
Es wurde Abend. Flach und nur leicht gewellte Heidehochlandschaft. -Nur nach der ersten Hochrasanz Pirsch meines Kameraden war da nicht mehr ganz so viel Druck in meiner Hydraulik und Pneumatik. Nun ja, man muss auch mal Glück haben.- Bob, unser Stalker, hatte etwas zu viel Lunch am ARGO gefasst und ließ es nun, gezwungenermaßen, gemütlicher angehen. (Oder war das nur Rücksichtnahme oder Schlimmer Mitleid?! Streckenweise war ich sogar fitter- hatte nur zwei Snickers!
So krabbelten und glitten, crawlten und flitzten, pirschten und krochen, rannten, duckten und schlichen, wir immer näher an das große Hirschrudel heran. Ich immer die Birne unten oder kurz vor Bobs Hinterteil. Schöne Aussichten- von den Hirschen hatte ich nicht. Die ca. 16-köpfige Herrenrunde hatte es sich auf einer Kuppel gemütlich gemacht und beobachtete, gemächlich Wiederkäuend, mit Argusaugen die weite Umgebung. Ich- verschmolz mit der Heidelandschaft;-) krabbelte hinter Bob her und musste darauf achten die 300er, in tiefster Gangart, nicht all zu arg durch die Heide zu zerren. Ich dachte noch, dass die beiden Jungs am Waldrand sicherlich lachen werden, wenn ich meinen schon leicht angerunzelten Hintern durch das Moor schiebe. Wie sich herausstellte, konnten sie alles wunderbar verfolgen und hatten sozusagen mehr Anblick als ich und Spaß. ICH lag hingegen, nach einer weiten befriedigenden, entbehrungsreichen Pirsch, nass, voller Torf und Adrenalin, ca. 350 m vor der Kuppe und musste die letzten 250 m bis zum Kuppenscheitelpunkt noch gleiten (kriechen). Wir wussten nämlich nur, dass die Hirsche dort sein mussten, konnten aber unsere Köpfe nicht aus der Deckung heben um zu sehen wo genau die Gehörnten standen. Nun denn- dachte ich mir und repetierte eine Patrone in den Lauf. Bob klappte das, für diese Jagd, sehr gut geeignete, Zweibein aus und los ging es. Von ein paar gezischten Kommandos "you are to noisy" unterbrochen kamen wir auch gut voran.Ich entledigte mich derweil kriechend aller unnötigen Utensilien, wie z.B. meinem Fernglas, Handschuhen, Schlüsselbund, Klavier usw. und setzte, mit nur 2 cm Luft unter dem gesamten Kiel, meine Hände und Füße pantergleich und geschmeidig auf den feuchten Moorboden.

In tiefster Gangart

In tiefster Gangart...
Jetzt mal ehrlich- ich war echt gut- oder hielt mich jedenfalls dafür. Wie auch immer!  Bob richtete sich ein wenig auf und spähte nach links. Ich hob mein Haupt und erspähte einen Hirsch direkt auf 12 Uhr zum Glück äsend. Kurz angedippst- Sofort ging Bob wieder ins Down. Das war knapp! Fast wären wir aufgeflogen!Also weiter vor- wieder pantergleich:-) Bob postierte die Waffe- das ist so in Schottland- und ich nahm liegend Schussposition ein. Ein sehr guter Hirsch ruhte mein Rothirsch stand äsend aufrecht. Nur leider mit dem Spiegel zu uns. - Dann mal leicht schräg.Aber- leicht schräg- geht in Schottland gar nicht. Ist ja auch richtig so!!Ich sagte trotzdem leise "I can shoot! Bob- No! Nach einer geschätzten Ewigkeit (ca. 20 Sek) "I can shoot? Bob- No! usw.

Dann röhrte Bob den Hirsch kurz an...
und er (der Hirsch) drehte sich erhaben zu uns um. Ich wieder:"I can shoot! Bob- Yes! Beim "Y" war der Schuss schon draußen. Die 300er R93 lässt sich sehr gut schießen und das Heidekraut und der Torf schlucken den Schussknall in den Highlands- normalerweise. Hier war es anders. Durch den nahen Wald wurde der Schall zurückgeworfen, der Schuss rollte durch das ganze Tal, wir hörten aber alle den trockenen Kugelschlag. (Die 300. Win. Mag - mit Nosler Accubond Geschossen hatte bei allen 4 Hirschen Ausschuss.)Ich sah den Hirsch die Kugel, die Blatt saß, auf ca. 100 m quittieren. Und dann war er weg- der Hirsch. Erst konnte ich es gar  nicht fassen, dass dieser letzte Jagdtag ein so furioses Ende gefunden hatte und fragte Bob ob der Hirsch denn noch weit gegangen sei??! Der schüttelte das Haupt und sagte der Hirsch sei direkt da zusammengebrochen wo er gestanden habe. Aber wo isser denn? Nun, des Rätsels Lösung war eine kleine Bodenschwelle. Nur die Spitze einer Geweihstange lugte aus dem Heidekraut empor. Meine beiden Jagdfreunde nahmen die Heideweite in raumgreifenden Schritten. Zeit für mich Bob zu knuddeln und meinen Hirsch zu begutachten. Viel heller als die anderen Hirsche und keine Brunftmähne.  Jeder Hirsch ist anders.

Für dicke Trophäen fährt man nicht nach Schottland....
sondern um des Jagens Willen. Und so is es auch! Einfach eine ursprüngliche Jagd in herrlicher Landschaft.Wie sich später herausstellte war mein Hirsch ca. 11 Jahre alt- was man ihm äußerlich jedoch nicht ansah.
Die Freude der Freunde war groß und ich war froh, nicht noch einen Pirschgang an diesem erlebnisreichen und letztendlich beutereichen Tag absolvieren zu müssen.
Obwohl- warum eigentlich nicht!!  – „I am hooked!!“


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